Buchbesprechung Material Matters thomas rau

Thomas Rau ist ein deutscher Architekt in Amsterdam, der als Pionier des klimaneutralen Bauens gilt. Mit Sabine Oberhuber gründete er Turntoo. Eines der ersten auf die Kreislaufwirtschaft spezialisierten Unternehmen der Welt.

Buchbesprechung: Material Matters

Wie eine neu gedachte Circular Economy uns zukunftsfähig macht | Die Antwort auf die Klimakrise ist die Kreislaufwirtschaft

‚Material Matters‘ ist ein wunderbares Buch, das die ökonomischen, ökologischen und geschäftlichen Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft beschreibt.

Ich habe mit der Lektüre spannende und mir neue Einblicke in die Themenfelder Ressourcennutzung, Nachhaltigkeit und den geschlossenen Material-/Produktnutzungs-Wirtschaftskreislauf bekommen – und das Ganze pragmatisch, clever und ohne belehrenden Zeigefinger.

In dem Blogbeitrag „Lerne die schrägen Kunden zu schätzen“ haben wir bereits vor 10 Jahren über Thomas Rau geschrieben, der Philips seinerzeit mehr oder weniger gezwungen hat, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln: „Light as a Service“. Rau nannte es damals so: „Wir möchten von Philips einen Service und kein Produkt erwerben, wir wollen Licht kaufen und keine Lampen – eine Performance und kein organisiertes Problem.“

Buchbesprechung Thomas Rau Material Matters
Buchbesprechung: Material Matters – Thomas Rau

Inspirations-Nuggets aus „Material Matters“

Turntoo-Geschäftsmodell 1: Designed to Perform

„Die Produzenten im Geschäftsmodell ‚Designed to Fail‘ manipulieren die Geräte, für die wir uns eigentlich eine lange Lebenszeit wünschen, egal ob Waschmaschine, Küchenmixer, Glühlampe oder Drucker. Sie werden innerhalb einer absehbaren Zeit funktionsunfähig, um die Verbraucher immer wieder zum Kauf neuer Produkte zu zwingen.

Beim Turntoo-Modell aber ist es das Ziel der Hersteller, dass ihr Produkt möglichst gut, möglichst leistungsfähig und möglichst lange funktioniert, außerdem sparsam im Energieverbrauch und im Unterhalt ist. Der Hersteller setzt jetzt alles daran, den Einsatz ein und desselben Produkts über einen möglichst langen Zeitraum zu gewährleisten. Nur dann verdient er Geld. Je länger, desto mehr.“

Turntoo-Geschäftsmodell 2: Designed to Be Updated

„Das zweite Geschäftsmodell, das auf den Kopf gestellt wird, ist das Geschäftsmodell ‚Designed to Be Outdated‘. Zur Erinnerung: Dabei handelt es sich um die funktionelle Manipulation eines Produkts, das ständige etwaige Innovationen und Aktualisierungen erfordert. Wenn der Hersteller nach den neuen Prinzipien nun ein Eigeninteresse daran hat, dass ein Produkt so lange wie möglich benutzt wird, wird er es so gestalten, dass es leicht mit Updates versehen werden kann. Dadurch lässt sich die Nutzungsdauer maximal verlängern. Ratsam ist dabei ein sinnvoller, modularer (das heißt, aus verschiedenen losen Elementen bestehender) Aufbau des Geräts. Außerdem werden bereits in der Entwurfsphase ‚Vorüberlegungen‘ zur Zukunft jedes Einzelteils angestellt: Muss es irgendwann ersetzt werden, liegt es am besten an einer leicht zugänglichen Stelle des Geräts.“

Turntoo-Geschäftsmodell 3: Designed for Passion

„Auch das Geschäftsmodell ‚Designed to Be Outfashioned‘ hat im Turntoo-Modell ausgedient. Die psychologische Manipulation, die dem Konsumenten suggeriert, er sei nur, was er besitzt, und nur das Neuste vom Neuen zeichne ihn als vollwertiges Mitglied einer modernen Gesellschaft aus, wird überflüssig. Denn warum sollte ein Unternehmen einen Kunden, der sowieso dauerhaft die angebotenen Dienstleistungen nutzt, durch die bewusste Schaffung von Moden und Trends dazu stimulieren, sich nach neuen Produkten oder Dienstleistungen umzusehen? Im Gegenteil: Statt fortlaufend zum Kauf neuer Dinge zu animieren, wird nunmehr das Hauptinteresse der Produzenten sein, die Verbraucher bei der Stange zu halten. Je länger sie ein Produkt als Dienstleistung nutzen, desto besser!“

Buchbesprechung Material Matters Blick ins Buch
Buchbesprechung: Material Matters – Thomas Rau

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