Manifest für menschliche Führung – Marcus Raitner

Das steht auf der Buchrückseite: „In einer Zeit, in der es ‚normal ist, dass vieles anders ist und immer schneller anders wird‘ (Karl-Heinz Geißler) steht auch und insbesondere die Rolle der Führung mindestens zur Diskussion und in Teilen sogar in Frage. Führung muss die Selbstführung der anvertrauten Mitarbeiter zum Ziel haben. Führung heißt, andere erfolgreich zu machen. Führung ist keine Frage der Position mehr, sondern eine Frage der Haltung. Diese Haltung und die Werte neuer, agiler, digitaler und vor allem menschlicher Führung beschreibt dieses Buch rund um das Manifest für menschliche Führung.“

Die Präambel aus dem „Manifest für menschliche Führung“

„Wir glauben an die Kreativität, Leistungsbereitschaft und Motivation der Menschen. Für uns ist der Mensch nicht Mittel zum Zweck, sondern steht im Mittelpunkt. Wir betrachten das Menschliche als entscheidenden Erfolgsfaktor in unserer hoch-vernetzten Welt. Wir sehen die Aufgabe von Führung darin, nach Rahmenbedingungen zu streben, in denen sich Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit entfalten und gemeinsam erfolgreich sein können.“

Die sechs Thesen aus dem „Manifest für menschliche Führung“

  1. Entfaltung menschlichen Potenzials mehr als Einsatz menschlicher Ressourcen.
  2. Diversität und Dissens mehr als Konformität und Konsens.
  3. Sinn und Vertrauen mehr als Anweisung und Kontrolle.
  4. Beiträge zu Netzwerken mehr als Positionen in Hierarchien.
  5. Anführer hervorbringen mehr als Anhänger anführen.
  6. Mutig das Neue erkunden mehr als effizient das Bekannte ausschöpfen.

Zitate aus dem „Manifest für menschliche Führung“, die mir gefallen haben

„Agilität ist kein Kraftfutter, mit dem die Mitarbeiter ihre Arbeit schneller und flexibler erledigen, ansonsten aber alles beim Alten bleibt.“

„Wer Organisationen als Maschinen betrachtet und Menschen wie Rädchen darin behandelt, darf sich über Dienst nach Vorschrift nicht beklagen.“

„Vielfalt im Sinne der üblichen Dimensionen Alter, Geschlecht, Herkunft usw. ist nutzlos, wenn die Organisationskultur auf Konformität und Konsens ausgerichtet ist.“

Meine Bonus-Punkte…

  • für den Mumm, nach 51 Seiten Schluß zu machen (und das Buch nicht – wie es so oft passiert – dann doch noch auf 200 Seiten aufzublasen).
  • für das Workshopdesign am Ende des Buchs. Nicht spektakulär, aber ausgesprochen hilfreich.
  • weil Marcus Raitner sich zurücknimmt, weil er nicht dogmatisch ist, weil er nicht ausschweift, weil er weder wissenschaftlich noch theoretisch ist, sondern starke Thesen zur menschlicheren Führung anbietet.

Besorge dir das „Manifest für menschliche Führung“

  • wenn du einen strukturierten Denkimpuls zur persönlichen Reflexion des eigenen Führungsverhaltens haben willst – oder das Führungsverhalten in deiner Organisation mit Kollegen reflektieren, diskutieren und ändern willst….


Interview mit dem Autor Marcus Raitner

1) Was ist die große Idee hinter dem „Manifest menschlicher Führung“?

Das Manifest für menschliche Führung entstand ursprünglich 2018 bis 2019 im Zuge der agilen Transformation der BMW Group IT, als wir uns mit der Frage beschäftigten, was passende Führungsleitlinien in einer agilen Organisation sein könnten. Da lag es nahe, diese in derselben Form wie im Manifest für agile Softwareentwicklung niederzuschreiben, was ich dann in Social Media und in meinem Blog auch tat und schließlich 2019 im Selbstverlag bei Amazon veröffentlichte.

Die eigentliche Idee hinter dem Manifest ist allerdings das Streben nach einer menschlicheren und menschenwürdigeren Wirtschaft. Eine Wirtschaft, die dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Diese Überlegungen sind nicht wirklich neu, sondern reichen Jahrzehnte zurück bis zu Peter F. Drucker und Douglas McGregor. Die Agilität und insbesondere das zentrale Prinzip der Selbstorganisation rücken nur einmal mehr die bisher unerfüllten Forderungen nach einer artgerechteren Haltung von Wissensarbeitern in den Fokus.

Ein weiterer Impuls für eine neue Führung im Zeitalter der Digitalisierung war zweifelsohne das erzwungene verteilte Arbeiten im Rahmen der Coronapandemie. Der Schachmeister als Führungsmodell war nicht länger praktikabel, ohne Zugriff auf die Mitarbeiter. Gefragt war jetzt mehr der Gärtner, der Rahmenbedingungen für die gelingende Zusammenarbeit schafft.

Diese kollektive Erfahrung war ein Grund, warum es im Februar 2024 eine zweite Auflage des Manifests als Hardcover im Vahlen Verlag gibt. Der zweite Grund sind die 14 Prinzipien, die nun -- wie beim Manifest für agile Softwareentwicklung auch -- hinter den sechs unveränderten Thesen stehen und diese konkretisieren.

2) Warum ist das wichtig für mich?

Weil in Zeiten der Digitalisierung der Mensch und seine Kreativität den Ausschlag geben werden. Vielleicht werden Algorithmen und AI bald schneller Lösungen und Antworten finden, aber es braucht immer noch den Menschen, um die richtigen Fragen zu stellen. Weshalb »Fragen stellen statt Antworten geben« eines der neu hinzugefügten Prinzipen ist. 

3) Was konkret soll ich machen?

Zeit nehmen. Zeit zum Lesen, Nachdenken und Reflektieren. Oder Zeit zum Austausch mit anderen Führungskräften und mit den eigenen Mitarbeitern.

Wenn dir das "Manifest für menschliche Führung" von Marcus Raitner gefällt, werden dir auch "Das anständige Unternehmen" von Reinhard Sprenger, "Work Rules!" von Laszlo Bock und "The Excellence Dividend" von Tom Peters gefallen. Hier geht es zurück zur Übersicht der besten Wirtschaftsbücher.

DIE 99 BESTEN WIRTSCHAFTSBÜCHER

Ich bin Peter Kreuz: Herausgeber dieser Seite, Spiegel-Bestsellerautor und Gründer von Rebels at Work. In meinen Büchern und Vorträgen zeige ich, wie Führungskräfte und ihre Teams erfolgreich durch ein Umfeld der Disruption, Digitalisierung und Komplexität navigieren können und sich fit für die Zukunft machen. Mein aktuelles Buch: Vergeude keine Krise!