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Buchbesprechung „Der Führerfluch“

Buchbesprechung Lars Vollmer "Der Führerfluch"Das schreibt der Autor selbst: „Dieses Buch ist für mich eine Herzensangelegenheit. Weil mir seine Kernbotschaft so wichtig ist. Die Zeiten sind vorbei, in denen Sie einen Verein, ein Unternehmen oder gar ein ganzes Land führen können, indem Sie voll auf formale Macht setzen. Per Machtausübung regierte Länder und Wirtschaftsunternehmen handeln sich schon jetzt größte grundsätzliche Probleme ein. Es funktioniert einfach nicht mehr. Es braucht etwas Neues.

Seit Jahren befasse ich mich intensiv mit diesem „Neuen“ in der Wirtschaft. Als Autor und als Unternehmer. Es ist wirklich beeindruckend, wieviel Kraft, wieviel Dynamik, wieviel Freude die immer zahlreicheren Unternehmen entfalten, die statt auf den fatalen Hang zum Autoritären auf Selbstorganisation und Verantwortung aller Mitarbeiter setzen. Schon seit einiger Zeit ist mir aber klar geworden, dass diese Bewegung viel mehr umfasst als nur die Wirtschaft. Dieses „Neue“ ist viel zu bedeutsam, um es nur auf Arbeit zu beschränken.

In großen Teilen der Wirtschaft können Führungskräfte bereits heute mit der Anwendung formaler Macht nichts mehr ausrichten. Und das gleiche neue Muster wird sich auch in der gesamten Gesellschaft ausbreiten. Allerdings wohl nicht ohne Rückfälle in alte, autoritäre Muster …

Ich glaube daran, dass es möglich ist, diese Gesellschaft zu erneuern, ohne dass es dafür zu großen Verwerfungen und zu großem Leid kommen muss. Ich glaube, dass wir alle lernen können, ohne Führer auszukommen. Die Erfahrungen aus der Wirtschaft zeigen: Wir können damit jetzt anfangen. Ja, wir haben bereits angefangen. Und Sie können daran Anteil nehmen. Das ist der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe.”

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Pointierte Sätze aus „Der Führerfluch“

„Unterstellte Unmündigkeit erzeugt reale Unmündigkeit.“

„Ohne Verantwortung lebt sich’s einfach unbeschwerter. Für den Moment. Die Rechnung stellt das Leben später.“

„Echte Verantwortung ist anstrengend, symbolfrei, unspektakulär und nicht so einfach. Sie verlangt von den Individuen selbst eine Verhaltensänderung.“

„Das paternalistische Menschenbild lautet immer: Du, Schaf, bist zu doof, um selbst zu wissen, was für dich und andere richtig ist. Also gebe ich, der Hirte, es dir vor.“

„Führung ist das, was zwischen Menschen entsteht, wenn einer eine Idee hat, die andere plausibel erachten und ihr deshalb folgen.“

„Der Glaube, es würde sich etwas ändern, sobald man die handelnden Akteure austauscht, ist eben nur ein Glaube.“

„Man lernt nur in Gegenwart von echten Problemen, wenn man Verantwortung übernimmt, wenn man also auch hinfallen oder verlieren kann. Wenn es also um etwas geht.“

„Formale Macht ist ein Narrativ – sie ist nur etwas wert, weil wir ihr Wert zuschreiben.“

„Um sich anders zu organisieren, muss niemand ein anderer Mensch werden.“

„Innovation und industrielle Massenfertigung verhalten sich in etwa zueinander wie ein Picasso und eine frisch gestrichene Hausfassade.“

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Das hat mich ziemlich beeindruckt:

Dieses Buch erschien ursprünglich mit dem Titel „Gebt eure Stimme nicht ab!“. Doch der Titel funktioniert nicht wirklich: er schafft nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, stattdessen aber Raum für Missverständnisse -und das Buch verkauft sich nur schleppend. Dann macht Lars Vollmer, das „was man nicht macht“: er setzt sich über eine verstaubte Regel aus dem Buchmarkt hinweg und lässt das Buch in einer Neuauflage mit dem neuen Titel „Der Führerfluch“ erscheinen. Respekt! Das ist mutig, vor allem aber ist das modern.

Es ist nichts anderes als die von Eric Ries entwickelte Lean-Start-up-Methode mit der sich ständig wiederholenden Build-Measure-Learn Feedbackschleife. Diese Verschmelzung von Handlung und immer neuer Planung, von Nie-fertig-sein, Nie-Sicher-Sein und Immer-Weiter-Denken. Alles, um Chancen beim Schopf zu ergreifen, sich vorwärts zu bewegen, hin und wieder auch mal zu stolpern und schließlich doch ans Ziel zu gelangen. Chapeau!

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Bonus Punkte

  • Lars Vollmer kann schreiben – und zwar ziemlich gut: provokant, humorvoll, feinfühlig und präzise. Auch mal schön, wenn man nicht nur das Sachliche eines Buches, sondern auch „die Schreibe“ genießen kann.
  • Weil da nicht irgendjemand mal wieder ein neues Buch geschrieben hat, weil es wieder mal an der Zeit war, sondern weil hier ein Autor spricht, der eine Botschaft hat, eine Meinung, eine Haltung und den entschiedenen Wunsch, einen Unterschied zu machen.

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  • Wenn Du verstehen möchtest, warum keineswegs Politiker, Funktionäre oder Wirtschaftsbosse an den Miseren in Unternehmen und unserer Gesellschaft schuld sind.
  • Wenn Du Deinen Blick auf liberale Demokratie und ihre Probleme erweitern möchtest.
  • Wenn Du Dich mit der Idee einer Verantwortungsgesellschaft auseinandersetzen möchtest.

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Ich bin Peter Kreuz: Herausgeber dieser Seite, Unternehmer, Spiegel-Bestsellerautor und Gründer von Rebels at Work. In meinen Büchern und Vorträgen zeige ich, wie Führungskräfte und ihre Teams erfolgreich durch ein Umfeld der Disruption, Digitalisierung und Komplexität navigieren können und sich fit für die Zukunft machen. Mein aktuelles Buch: Vergeude keine Krise!